Kommentar zur Arcandor-Pleite

Der Kaufhaus-, und Reisekonzern Arcandor AG hat gestern Insolvenz angemeldet, was den Verlust zehntausender Jobs bedeuten kann. Einen Antrag auf Gewährung einer Staatsbürgschaft in Höhe von 437 Millionen Euro wurde abgelehnt, weil die Hauptanteilseigner Madeleine Schickedanz und das Bankhaus Sal.Oppenheim nicht bereit waren einen höheren Kapitalbeitrag als die angebotenen 150 Millionen Euro zu leisten.

Die Pleite des bekannten Einzelhandelsunternehmens ist besonders für die Mitarbeiter aber auch die Bürgermeister zahlreicher Städte ein Schock. Die Kaufhauskette Karstadt ist vor allem in den Innenstädten vertreten und in den meisten Fällen ein Anziehungspunkt. Die Bürgermeister, Einwohner und Geschäftsleute der betroffenen Städte erwarten leer gefegte Innenstädte wenn die Karstadt-Filialen geschlossen werden.

Die umliegenden Geschäfte rund um ein Karstadt-Kaufhaus profitieren von deren Laufkundschaft. Bei einer Schließung würde die Kundschaft weniger werden und der Umsatz sinken wodurch weitere Arbeitsplätze verloren gehen könnten.

Der Handelskonzern Metro AG möchte einen Teil der Karstadt-Filialen übernehmen und mit seiner Kaufhaustochter Kaufhof fusionieren. Es soll eine Deutsche Warenhaus AG aus 160 Kaufhäusern entstehen der anschließend nach Medienberichten an einen italienischen Kaufinteressenten verkauft werden soll.

Der Grund für die Insolvenz von Arcandor ist ein jahrelanges Missmanagement mit falscher Produktpolitik. Der letzte Konzernmanager Thomas Middelhoff hatte das Tafelsilber in Form der Immobilien an einen britischen Investor zu schlechten Konditionen verkauft. Der britische Investor hat die Mieten stark angehoben und kassiert bei einer Karstadt-Filiale unverschämte 23 Prozent des Umsatzes. Im Normalfall beträgt die Miete nur 5 Prozent des Umsatzes und da ist es kein Wunder dass Arcandor unter der hohen Mietlast mehr oder weniger zusammengebrochen ist.

Die Investmentgesellschaft war nicht bereit die Mieten zu senken denn dies hätte eine Insolvenz verhindert und 56.000 Arbeitsplätze gesichert. Die Zeit der klassischen Kaufhäuser scheint ihrem Ende entgegen zu gehen während Spezialgeschäfte sich in den vergangenen Jahren bereits erfolgreich etabliert haben.


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