Fremdwährungsanleihen vom Bund – Börsenhandel ohne Euro

Bundeswertpapiere
© blende11.photo – Fotolia.com

Noch gar nicht so lange gibt es die Möglichkeit, Fremdwährungsanleihen beim Bund aufzunehmen. Die Wertpapiere nehmen am üblichen Börsenhandel teil und unterliegen den bekannten Währungsrisiken und -Chancen.

Als 2005 die erste Fremdwährungsanleihe seitens des Bundes herausgegeben wurde, war das ein Stück weit Neuland. Mit einer Laufzeit von 5 Jahren wurde ein Bundeswertpapier aufgelegt, das nicht in Euro, sondern in einer anderen Währung notiert wird. Für den deutschen Anleger ergibt sich daraus die Erfordernis, den Kauf in einer ausländischen Währung durchzuführen. Auch die Zinsen werden nicht in Euro, sondern in der Fremdwährung ausbezahlt. Erste Zielgruppe des Finanztitels sind institutionelle Anleger wie Banken oder Fonds. Doch grundsätzlich steht auch Privatleuten die Anleihe für eine Beteiligung offen.

Fremdwährungsanleihen mit Kursrisiken

Die Fremdwährungsanleihe von 2005 wurde in US-Dollar ausgegeben. Der Zinssatz beträgt 3,875 Prozent. Die Auszahlung der Zinsen erfolgt im Jahresrhythmus. Nach der Laufzeit wird die Anleihe zum ursprünglichen Nennwert vom Bund zurückgekauft. Da sowohl dieser Rückkauf, als auch die Zinsen in der Fremdwährung ausbezahlt werden, besteht für den Anleger, der aus dem Euroraum kommt, die Möglichkeit, durch Währungsschwankungen entweder Gewinne oder Verluste zu machen. Je nachdem wie sich in diesem Fall der US-Dollar im Verhältnis zum Euro entwickelt hat, liegt auch der Wert der Anlage für den Käufer in Euro höher oder niedriger. Fremdwährungsanleihen sind also mit keinen geringen Risiken verbunden. Wer eine Anlagemöglichkeit mit gesichertem Geldzuwachs sucht, sollte nicht zu diesen Wertpapieren greifen.

Mindestanlage 1.000 Dollar

Umgekehrt können sich aber eben auch bei einer günstigen Entwicklung des Währungskurses neben den Zinsen zusätzliche Erträge für den Käufer einstellen. Bei einer positiven Entwicklung des Tauschkurses können diese gegenüber der Verzinsung noch deutlich höher liegen. Bei institutionellen Anlegern waren die bisherigen Anleihen durchaus begehrt. Erst 2009 wurde eine weitere Fremdwährungsanleihe vom Bund präsentiert, wiederum in US-Dollar. Die Laufzeit beträgt hier 3 Jahre. Der Zinssatz liegt bei 1,5 Prozent. Wie bei der ersten Anleihe ist eine Mindestinvestition in Höhe von 1.000 Dollar vorgegeben. Kaufbar sind die Wertpapiere nur bei Banken und anderen Geldinstituten. Ein Direktkauf beim Bund ist nicht möglich. Auch die Verwaltung wird nicht bei der Bundesfinanzagentur angeboten.


Kauf und Verkauf von Fremdwährungsanleihen

Da die Fremdwährungsanleihen an der Börse gehandelt werden, ist der Anleger nicht an die volle Laufzeit gebunden. Wenn sich durch eine vorteilhafte Währungskursentwicklung eine gewinnbringende Konstellation ergibt, kann ein vorzeitiger Verkauf stattfinden. Voraussetzung ist hierbei natürlich, dass der Wertpapierbesitzer regelmäßig die Kursentwicklungen verfolgt. Beim Spekulieren auf derartige Währungsgewinne ist also eine aktive Marktbeobachtung erforderlich. Der Privatanleger muss bei der Abwägung, ob eine Fremdwährungsanleihe infrage kommt, neben den Renditemöglichkeiten einige Kostenpunkte einkalkulieren. Zunächst können Bankgebühren für die Verwaltung der Wertpapiere bei den Banken entstehen. Zudem ist für den Geldtausch von Euro in US-Dollar und beim Rücktausch mit weiteren Tauschkosten zu rechnen.

Anspruchsvolle Geldanlage ohne Renditesicherheit

Für konservative Geldanleger, die ihre Finanzmittel sicher verwahrt wissen wollen bei einer feststehenden Gesamtrendite, sind Fremdwährungsanleihen nichts. Die Gefahr, dass aufgrund schlechter Währungsverhältnisse das angelegte Geld an Wert verliert, ist stets vorhanden. Auch wer die Anlage über die volle Laufzeit hält, kann davon betroffen sein. Theoretisch besteht sonst nur die Möglichkeit, nach Laufzeit-Ende die Geldmittel in der Fremdwährung zu belassen und auf einen Kursausgleich zu warten. Wer auf die Geldsumme in Euro angewiesen ist, hat aber keine Ausweichmöglichkeit.

Fremdwährungsanleihen für den Privatanleger?

Insgesamt sind Fremdwährungsanleihen für den normalen Privatanleger ein eher anspruchsvoller Finanztitel, über dessen Wirkungs- und Funktionsweise man sich vor einer Investitionsentscheidung gründlich informieren sollte. Wer schon etwas Übung damit hat, mit seinen Finanzen zu jonglieren und vielleicht als Ergänzung zu anderen Optionen eine etwas risikoreichere Möglichkeit sucht, für den könnten diese Bundeswertpapiere je nach Zinskonditionen einen näheren Blick wert sein. Weitere Emissionen von Fremdwährungsanleihen seitens des Bundes sind nicht ausgeschlossen.

Fazit

Zinszahlungen, Kauf und Rückkauf erfolgen bei Fremdwährungsanleihen nicht in Euro. Für den Anleger sind damit Tauschkosten und Währungsschwankungen mit einzukalkulieren. Wenngleich die Zinsen über die volle Laufzeit konstant sind, können sich daher Verluste einstellen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Foto1: © blende11.photo - Fotolia.com