Warum fühlen Verbraucher eine höhere Inflation?

Inflation Verbraucher
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Wer die Zeitung aufschlägt oder Nachrichten in einer anderen Form konsumiert, der kann tagtäglich neue Meldungen über die Teuerungsrate in Deutschland und dem Euroraum bekommen. Der eigentliche Inhalt ist, dass die Inflation so hoch ist wie seit langem nicht mehr.

Viele Verbraucher fragen sich allerdings, was an diesen Erkenntnissen neu ist und schütteln angesichts der Zahlen des Statistischen Bundesamtes den Kopf. Eine Preissteigerung von nur 3,3 Prozent im Juni im Vergleich zum Vorjahr will vielen Menschen nicht einleuchten, da die alltäglich erlebten Preissteigerungen diesen widersprechen.

Abweichung zwischen Erleben und statistischen Zahlen

Man spricht bei dieser Abweichung zwischen den ermittelten Werten und dem eigenen Erleben von gefühlter Inflation. Dieser Begriff wurde in Deutschland mit der Währungsumstellung zum Euro so richtig fassbar, da das Preisbewusstsein zeitgleich anstieg und man zum Verglichen der Preise zwischen D-Mark und Euro umrechnete. Selbst sechs Jahre nach der Euroeinführung 2002 rechnen viele Bundesbürger immer noch um und so entstehen teilweise extreme Preissteigerungen.

Umrechnungsmentalität

In dieser Berechnung fehlt aber der Faktor Inflation. Angenommen die D-Mark wäre als Währung bestehen geblieben, dann wäre sie heute auf Grund der Inflation ebenfalls schwächer als vor sechs Jahren, d.h. auch mit ihr hätte es die gleichen Preissteigerungen gegeben, nur würde der Liter Benzin nicht 1,50 Euro, sondern wahrscheinlich mehr als 3,- DM kosten.

Die Zusammensetzung des Warenkorbes

Aber nicht nur auf Grund der Umrechnungsmentalität empfinden viele Verbraucher im Alltag die Inflation stärker. Das liegt an dem repräsentativen Warenkorb, der für die Statistik herangezogen wird. Er besteht aus zwölf einzelnen Posten, die in einem statistischen Haushalt anfallen. Diese Posten haben einen zugewiesen prozentualen Anteil. Aus den Erhebungen der einzelnen Anteile wird dann ein statistischer Gesamtwert ermittelt, also eine Gesamtteuerungsrate. Da es sich um einen Durchschnittswert handelt, ist er generell niedriger als einige der Einzelposten.

Preissteigerung von Einzelposten

Nimmt man zum Beispiel die Preissteigerung von Kraftstoffen, so liegen diese im Juni im Vergleich zum Vorjahr bei einer Teuerungsrate von plus 15,0 Prozent. Lebensmittel sind im Vergleich um 7,6 Prozent teurer geworden. Diese Kosten fallen dem Verbraucher natürlich im Alltag eher ins Auge die Preisentwicklung von langlebigen, teuren Gebrauchsgegenständen, wie beispielsweise Computern. Diese kauft man sich ja nicht jeden Tag.


Geringeres Einkommen, stärkeres Fühlen der Inflation

Genau an diesem Punkt hakt auch der Statistische Wert, denn erstens leben die Bundesbürger nicht in einem statistischen Haushalt mit 2,3 Personen und zweitens bestehen in Deutschland erhebliche Einkommensunterschiede, so dass ein Posten wie Lebensmittel anteilig gesehen in einem Haushalt mit geringem Einkommen schwerer wiegt, als der Erwerb von Unterhaltungselektronik. Dadurch machen sich Preissteigerungen in diesen Haushalten stärker bemerkbar und die gefühlte und erlebte Inflation ist tatsächlich höher.

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