Privatkredit aufnehmen – Welche Möglichkeiten gibt es und was Kreditnehmer wissen sollten

Bei finanziellen Engpässen kann ein Privatkredit schnell Abhilfe schaffen. Erfahren Sie hier, welche Kreditformen es gibt und wie Sie seriöse Anbieter erkennen.

Privatkredit
Es gibt verschiedene Privatkredite – © Wasan / stock.adobe.com

Gerade in Zeiten von Rezessionen stellt sich für viele die Frage, wie sie bei steigenden Kosten dringend benötigte Ausgaben tätigen sollen. Kommen dann noch Probleme wie ein defektes Auto dazu, reichen die eigenen Rücklagen häufig nicht aus, um diese Investitionen zu stemmen. Abhilfe kann hier ein Privatkredit schaffen. Doch worauf gilt es dabei zu achten und welche Formen des Privatkredites gibt es überhaupt?

Was ist ein Privatkredit?

Wer sich für einen Privatkredit interessiert, begegnet schnell einer Vielzahl an Bezeichnungen: Allzweckkredit, Verbraucherkredit, Konsumkredit und ähnliche Begriffe. Im Grunde sind mit diesen Worten aber dasselbe gemeint. Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert diese Kreditform als einen Kredit an einen privaten Haushalt, um den Güterverbrauch zu finanzieren. Diese Definition hilft auch schon weiter, genauer einzugrenzen, worum es geht.

Abgrenzungen zu anderen Kreditformen

Es schließt so einen Unternehmenskredit oder einen Gründerkredit aus, da es sich bei den Kreditnehmern um keine privaten Haushalte handelt. Aber auch eine Kreditform, welche die meisten schon im Alltag begegnen sind, ist der Kundenkredit. Dabei handelt es sich um eine Anzahlung, die ein Kunde vor einer erbrachten Leistung zahlt. Häufig findet man diese Form beim Autokauf oder wenn ein Handwerker engagiert wird.

Welche Kreditformen gibt es?

➮ Der Dispokredit – Die wahrscheinlich häufigste Kreditform

Eine Unterart des Privatkredites ist der Dispokredit. Nachdem mit der Bank ein Disporahmen erstellt wurde, ist dieser Kredit jederzeit abrufbar, sobald das Konto überzogen wird. Er ist nie zweckgebunden und ermöglicht so einiges an Flexibilität. Die Nachteile sind, dass diese Kreditsumme in der Regel deutlich unter dem liegt, was bei anderen Privatkrediten möglich ist, denn er wird nach dem Netto-Einkommen berechnet, meist zwei Nettogehälter.

Aber auch die Zinsen sind bei einem Dispokredit üblicherweise deutlich höher. Die Rückzahlung erfolgt automatisch, sobald eine Einzahlung auf dem Konto eintrifft. Dadurch kann aber auch schnell einiges an Übersicht über die eigenen Ausgaben verloren gehen.

➮ Der Ratenkredit – Für größere Investitionen

Wer sich für größere Ausgaben interessiert, für den ist der Ratenkredit interessant. Der Kreditrahmen wird nach Bedarf und Bonität berechnet, in der Regel kann er bis zu 50.000€ betragen. Nachdem der Kreditrahmen genehmigt wurde, werden feste monatliche Tilgungsraten festgelegt. Sie zahlen monatlich Zinsen, welche sich aus einem festen Prozentwert und der Höhe der Restschuld berechnen. Meist haben Ratenkredite aber die niedrigste Zinshöhe aller Kreditformen. Ein Vorteil ist also auch die Planbarkeit der Ausgaben, da sie immer schon berechnen können, wie hoch sie wirklich sind.

Dafür wird aber natürlich Flexibilität aufgegeben. Schon nach dem Zahlungsausfall von zwei Raten kann der Kredit gekündigt werden. Deshalb ist es wichtig, sich gut zu überlegen, welche Tilgungsrate man sich auch unter geänderten finanziellen Bedingungen leisten kann. Sollte ein Kreditnehmer vorzeitig die Restschuld tilgen wollen, wird meist eine Vorfälligkeitsentschädigung gefordert. Aber auch ein negativer Schufa-Eintrag kann dazu führen, dass eine Bank den Kredit verweigert.

➮ Der Ratenkredit – Auch unter Privatpersonen möglich

Allerdings gibt es Ratenkredite auch oft zwischen Privatpersonen. Hier stehen die Chancen auch bei durchwachsener Bonität höher, dass ein Kredit gewährt wird. Es haben sich Plattformen gegründet, die private Kreditgeber und Kreditnehmer vermitteln. Diese Peer-to-Peer (P2P) genannten Kredite verlangen wegen des höheren Risikos oft auch höhere Zinsen. Aber vieles ist dort auch Verhandlungssache und wer Sicherheiten anbieten kann, hat bei einem P2P-Kredit eine gute Aussicht, um die Konditionen zu verbessern.

➮ Sonderformen des Ratenkredits: Der Immobilien- und Autokredit

Während bei einigen Ratenkrediten Geldmittel zur freien Verfügung stehen und eher selten zweckgebunden sind, ist dies bei Immobilien- und Autokrediten anders. Mit der Aufnahme eines solchen Kredites wird eine größere Investition abbezahlt. Das Auto oder die Immobilie wird der Bank als Sicherheit hinterlegt und im Zahlungsausfall gepfändet.

Gerade im Fall eines Immobilienkredites kann es sehr schnell zu einer langen Laufzeit kommen. Hier lohnt es sich, auf die Sollzinsbindung zu achten, der einen gleichbleibenden Zinssatz für einen Zeitraum garantiert. Somit ist man gegenüber eines variablen Zinssatzes vor allzu großen Marktschwankungen sicher.

➮ Der Rahmenkredit – Zwischen Dispo und Ratenkredit

Mit dem Rahmenkredit gibt es eine weitere Form des Privatkredites. Dieser ähnelt in manchen Punkten dem Dispokredit, in anderen dem Ratenkredit. Im Vordergrund steht auch hier ganz eindeutig die Flexibilität. Zuerst wird mit der Bank ein Verfügungsrahmen vereinbart. Dieser liegt meist zwischen Ratenkredit- und Dispokreditrahmen. Nun wird von der Bank ein eigenes Konto eingerichtet, auf dem der Betrag bei Bedarf im Ganzen oder in Teilbeträgen auf das Kundenkonto übertragen werden kann.

Zinsen werden nur auf abgerufene Beträge bezahlt und sind meist günstiger als beim Dispo-, aber teurer als beim Ratenkredit. Aber auch bei der Rückzahlung gibt es Unterschiede, denn oft ist es vollkommen dem Kunden überlassen, wann er diese Schulden tilgt. Manche Banken vereinbaren aber auch monatliche Mindesttilgungsraten, welche aber meist recht niedrig sind. Zu beachten ist aber, dass eine gründliche Bonitätsprüfung vorgenommen wird und dieser Kredit der Schufa gemeldet wird.

Nachdem sich ein potentieller Kreditnehmer für eine für ihn passende Form des Privatkredites entschieden hat, sollte er sich über seinen finanziellen Spielraum informieren. Denn Wissen über die eigenen Möglichkeiten ist essentiell, um bei einem Beratungsgespräch die passenden Tilgungsraten zu vereinbaren. Doch wie findet man heraus, wie viel Geld man für einen Kredit monatlich bedienen kann?

Die 50-30-20-Regel im Detail

50-20-30-Regel

Die 50-30-20-Regel hilft dabei, seine monatlichen Ausgaben einzuschätzen und Vermögen aufzubauen. Indem das monatlich verfügbare Einkommen in drei unterschiedlich große Teile aufgelistet wird, kann man leicht erkennen, wofür noch Geld übrig bleibt.

Jeder Mensch hat Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen. Um diese einzuordnen, hilft ein Blick in die Psychologie. Abraham Maslow erstellte zur Darstellung die berühmte Bedürfnispyramide, welche unsere Bedürfnisse hierarchisch ordnet. Diese Pyramide hilft dabei, die monatlichen Ausgaben nach der 50-30-20-Regel aufzuteilen, denn sie lässt sich in zwei Abschnitte Teilen.

Bedürfnispyramide

❍ Grundbedürfnisse

Die ersten drei Stufen der Pyramide sind die Mangelbedürfnisse. Wenn diese nicht erfüllt sind, wird ein Mensch geistig oder körperlich krank. Sie sind deshalb das Fundament der Pyramide. Auch für ihre monatlichen Ausgaben sollten Kreditinteressierte für diese Bedürfnisse den meisten Teil einplanen.

Die physiologischen Bedürfnisse sind recht einfach erklärt. Unser Körper braucht um funktionieren zu können, Nahrung, Wasser und Schlaf. Wer diese Bedürfnisse nicht erfüllt, wird auch an einem Top-Kredit keine Freude haben.

Die Sicherheitsbedürfnisse gliedern sich in Dinge wie einen sicheren Platz zum Wohnen und eine Absicherung gegen Schäden. Wer seine Ausgaben genau ansieht, wird wahrscheinlich feststellen, dass ein Großteil der eigenen Kosten durch Miete, Versicherungen und für Pendler das Auto entstehen.

Die sozialen Bedürfnisse sind ebenfalls wichtig. Wer vereinsamt wird mit höherer Wahrscheinlichkeit unglücklich sein. Deshalb fallen Kosten wie für den Handyvertrag, den Internetvertrag aber auch für das Bahnticket, um Freunde zu besuchen, unter diese Kategorie.

Auf diese Kosten sollte im Schnitt 50% der monatlichen Kosten entfallen.

❍ Wachstumsbedürfnisse

Die letzten beiden Stufen der Pyramide sind Wachstumsbedürfnisse. Deren Erfüllung erlaubt es uns, dass die Menschen sich geistig entwickeln können. Außerdem ermöglichen sie uns eine produktive und kreative Arbeit.

Die Individualbedürfnisse sind individueller Natur. Es handelt sich aber meist um Erfolg, Status oder Freiheit. Kosten können hier durch Reisen und Schmuck, aber auch durch Sammelhobbys wie dem Sammeln von Briefmarken oder von Fanartikeln entstehen.

Die Selbstverwirklichung als letzte Stufe sorgt dafür, dass wir selbst tätig werden und eine erfüllende, oft kreative Beschäftigung in unserer Freizeit suchen. In dieser Phase sind die Kosten oft Ausgaben für die Anschaffung von Gegenständen, die zur Ausübung einer Tätigkeit benötigt werden. Also für den Gärtner das Hochbeet, den Maler die Farben und den DJ das Mischpult.

Laut der 50-30-20-Regel sollten für die Freizeitgestaltung 30% der Kosten eingeplant werden.

❍ Den Überschuss verwalten

Nachdem also die eigenen monatlichen Ausgaben kategorisiert und alle Bedürfnisse abgedeckt sind, bleiben 20% der Geldmittel übrig. Diese sollen nach der 50-30-20-Regel für den Vermögensaufbau genutzt werden. Damit muss aber nicht zwingend das Sparen gemeint sein. Es kann auch investiert werden, wie z.B. in Aktien, Wertpapiere oder Immobilien. Wer diese Mittel sinnvoll nutzt, vermehrt so sein Kapital.

Anhand der Größe dieser monatlich verfügbaren Gelder kann man sich orientieren, um einzuschätzen, welche Tilgungsraten bedient werden können. Es sollte aber Vorsicht geboten sein. Wer seine gesamten 20% in Tilgungsraten bindet, kann auf geänderte Umstände wie etwa durch steigende Preise, den Jobwechsel oder defekte Haushaltsgeräte nicht mehr reagieren. Dadurch drohen Überschuldung und Kreditausfälle.

Den richtigen Kreditgeber finden

Kredite vergleichen
Vergleichen Sie mehrere Angebote seriöser Anbieter miteinander – © Coloures-Pic / stock.adobe.com

Nun kann man sich auf die Suche nach einem Anbieter begeben. Für viele Kreditnehmer sind die wichtigsten Faktoren der Zinssatz und die Laufzeit des Kredits. Wichtig ist hier, dass man mehrere Angebote seriöser Anbieter miteinander vergleicht, um so das beste Angebot zu finden. Doch wie erkennt man bei der Menge an Online-Angeboten, ob ein Kreditgeber seriös ist?

Der Zweidrittelzins

Viele Kreditinstitute warben früher mit niedrigen Zinsen, stellten diese jedoch nur den kreditwürdigsten Kunden zur Verfügung. Für einen Großteil der Kunden gab es deutlich höhere Zinsen und oft Frustration, da sich die durch die Werbung erzeugte Vorstellung nicht mit der Wirklichkeit deckte.

Eine Innovation war die Einführung des Zweidrittelzins. Der Zweidrittelzins entspricht dem Zinssatz, den eine Bank mit zwei Dritteln seiner Kunden ausgehandelt hat. Er ist also repräsentativ und so ein gutes Mittel, um zu erkennen, ob ein Angebot seriös ist. Oft finden sich diese Angaben im Kleingedrucktem.

Die Vertragsbedingungen genau lesen

Wer die Vertragsbedingungen genau liest, stößt schnell auf Warnsignale, bei denen man hellhörig werden sollte. Wie sieht es mit den personenbezogenen Daten aus? Werden diese nur mit Banken und Sparkassen geteilt, besteht kein Grund zur Sorge. Sollten aber auch andere Kreditinstitute oder Privatunternehmen in den Verträgen gelistet sein, verlieren sie schnell die Hoheit über sehr sensible Daten. Die Folge können unerwünschte Werbemails und Anrufe sein.

Auch bei der Restschuldversicherung sollten sie aufpassen. Eine Restschuldversicherung greift, wenn der Kredit durch Tod, Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit nicht mehr bedient werden kann. Die Kosten einer solche Versicherung können die monatlichen Raten teilweise erheblich steigern, teilweise sind sie sogar teurer als die monatliche Rate. Am besten wird bei einem Kreditgeber ein Angebot mit und eins ohne Restschuldversicherung eingeholt.

Auch bei Gebühren für Zusatzdienste wie flexible Fälligkeiten oder Umwandlungen in andere Finanzierungsprodukte sollten Kreditnehmer aufpassen. Diese Gebühren sind oft hoch und lassen die monatlichen Ausgaben nur noch schwer erkennen.